Wieland von Hodenberg
Friedensaktivist & Autor

Bemerkenswerte norddeutsche Kulturstätten: Worpswede und Fischerhude

Worpswede, das Künstlerdorf vor den Toren Bremens (30 km), ist immer eine Fahrradtour wert. Leider ist der Ort inzwischen weitgehend vom Kommerz beherrscht. Sehenswert ist auf jeden Fall der Barkenhoff (der Name leitet sich her von "Birkenhof"). Hier war eine der Wirkungsstätten von Heinrich Vogeler, der am 12. Dezember 1872 in Bremen geboren wurde und am 14 Juni 1942 in der Kasachischen Republik völlig verarmt starb.
Er war ein Mensch, der sich neben seiner Malerei als bekenndender Kommunist auch politsch betätigte und längere Zeit in Stalins Sowjetunion lebte. Er reiste mehrmals dorthin, war dort künstlerisch tätig und verfaßte Manifeste gegen den Hitlerfaschismus in Deutschland.

Zwischendurch ein wichtiger Punkt zu seiner Biografie:
Heinrich Vogeler war ein deutscher Maler, Grafiker, Architekt, Designer, Pädagoge, Schriftsteller und Sozialist. Der vielseitig begabte Künstler ist besonders durch seine Werke aus der Jugendstilzeit bekannt geworden. (Wikipedia)

Werdegang: Er meldete sich nach Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 zum freiwilligen Militärdienst. Eingesetzt wurde er in Südost- und Osteuropa, wo er als Militärmaler arbeitete. Seit 1917 stand er dem Krieg zunehmend kritisch bis völlig ablehnend gegenüber: Er wurde zum Pazifisten. Am 23 Januar 1918 veröffentlichte er einen Friedensappell an Kaiser Wilhelm 2 mit dem Titel "Märchen vom lieben Gott", was ihm die Entlassung aus dem Militärdienst und eine vorübergehende Einweisung in die Psychiatrie eintrug.
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Auf die Frage, ob die Sowjetunion ein spezielles Interesse daran hatte, den Künstler Vogeler zu verfolgen, liefert die Forschung keine eindeutige Antwort. Klar ist nur, dass das bürokratische System der Sowjetunion grundsätzlich keine Rücksicht auf Individuen nahm. Wilhelm Pieck soll noch versucht haben, Vogeler aus der Deportation zu befreien, was er abgelehnt haben soll mit der Begründung, solange nicht alle Deutschen gleichbehandelt würden, käme das für ihn nicht in Frage. Das System habe keine Gruppensolidarisierung erlaubt, da die Verbannten über Tausende von Kilometern verstreut untergebracht waren. (siehe auch Wikipedia) Der Barkenhoff wurde ein wichtiger Treffpunkt der Künstlerkolonie.

Zu der Barkenhoff-Familie gehörten der Dichter Rainer Maria Rilke, dessen Frau, die Bildhauerin Clara Rilke-Westhoff, Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker, Paulas Schwester Milly, seine Ehefrau Martha Vogeler, sein Bruder Franz mit Frau Philine. Die drei Paare Rilke, Modersohn und Vogeler heirateten im Jahr 1901.
Zu den Besuchern des Hauses zählten beispielsweise Richard Dehmel, Gerhart Hauptmann, Carl Hauptmann, Thomas Mann, der Insel-Verlagsgründer Rudolf Alexander Schröder und Max Reinhardt. Sonntags las und rezitierte der Künstlerkreis, tanzte, sang und gestaltete das Leben als Kunstwerk. Doch die gemeinsamen Feste täuschten darüber hinweg, dass die Gemeinsamkeiten weniger wurden und Kritik an der Kunst der anderen aufkam.

Seit 1902 stellten die Künstler nicht mehr als Gruppe aus, die gerade geschlossenen Ehen wiesen die ersten Risse auf; das neue Jahrhundert forderte neue Denkansätze. In Vogelers Traumwelt war kein Platz für das reale Leben. Martha, die er in ein phantasiertes Frauenbild presste und die er nur aus schützender Entfernung lieben konnte, entglitt ihm immer mehr. Das zeigte sich in vielen von ihr gemalten Porträts, die eine kühle Distanz aufweisen. Er erkannte die Sackgasse, in die er auf die Frage nach dem Sinn seines Lebens geraten war.

Die malenden Frauen ließen sich übrigens um die Jahrhundertwende in Worpswede nieder und hinterließen der Nachwelt ihre Kunstwerke. Paula Modersohn-Becker zum Beispiel schuf sehr schöne Bilder. Erst nach ihrem frühen Tod 1907 findet ihr um Schlichtheit und menschliche Wahrheit bemühtes Werk den Weg zu nationaler und internationaler Anerkennung. Martha Vogeler, die ebenso wie Heinrich auch in Worpswede ansässig war, betrieb eine Handweberei im "Haus im Schluh".
Siehe auch: www.worpswede-museen.de/

In einiger Entfernung von Worpswede - am Rande des Teufelsmoores liegt das malerische Künstlerdorf Fischerhude. Hier wirkte jahrelang der Maler Otto Modersohn. Hier war auch ein Treffpunkt vieler KünstlerInnen. Dieser Ort hat sich bis heute seine Ursprünglichkeit mit alten Bauernhöfen, Kopfsteinpflaster und großen, schönen Bäumen erhalten.
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Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827)