Wieland von Hodenberg
Friedensaktivist & Autor

Eine bewundernswerte Frau lebt unter uns im Stadtteilhaus Kattenesch der Bremer Heimstiftung

Unsere Mitbewohnerin, Frau Elfriede Bannas, ehemalige Oberschulrätin, lebt mitten unter uns. Sie wurde, was wahrscheinlich nur wenige von uns wissen, am 20. Juli 2005 für ihr umfangreiches Lebenswerk mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Die nachfolgende Laudatio hat sie mehr als verdient! Wie seinerzeit aus der Senatskanzlei bekannt gegeben wurde, hatte der damalige Bremer Bürgermeister Henning Scherf ihr die hohe Auszeichnung übergeben.

Frau Bannas, die heute auf einen Rollstuhl angewiesen ist, hatte in mühevoller Kleinarbeit die ehemaligen Buchinhaber von Werken ermittelt, die jüdischen Mitbürgern in der Zeit des deutschen Faschismus enteignet worden waren. Viele Bücher waren unrechtmäßig in der Staats- und Universitätsbibliothek gelandet.

Schon bald nach Beendigung ihrer beruflichen Tätigkeit als Pädagogin hatte Elfriede Bannas die ursprünglich als Werkvertrag formulierte Aufgabe übernommen, die als Raubgut aus offensichtlich jüdischem Besitz stammenden Buchbestände zu identifizieren. Sie sollte die Namen der Vorbesitzer ermitteln, deren Identität und Verbleib feststellen und schließlich die Rückgabe der Bücher an die Vorbesitzer organisieren.

Dieser Aufgabe hatte sich die Ruheständlerin mit unermüdlicher Ausdauer und mit großem Engagement gewidmet. Sie ermittelte ca. 1500 raubgutverdächtige Bände, die im Jahre 1942 von der damaligen Bremischen Bibliothek auf angekündigten Auktionen von Auswanderer-Umzugsgut für einen symbolischen Preis erworben erworben worden waren.

Dem Inventurverzeichnis ließ sich entnehmen, dass diese aus sogenannten Juden-Auktionen stammten. Zu einem Drittel der Bücher fanden sich Besitzervermerke – etwa 90 verschiedene Namen. Hinter diesen Namen verbergen sich die Geschichten der früheren Besitzer, die Elfriede Bannas mit ihren umfangreichen Recherchen bewahren möchte, damit die erlittenen Untaten nicht in Vergessenheit geraten. Neben den Recherchen führte sie den gesamten Schriftverkehr und bereitete die Rückgabeaktionen vor. Zugleich bemühte sie sich in Interviews, Vorträgen und anderen Veranstaltungen darum, dass die Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisiert wurde.

Im Laufe ihrer langjährigen Arbeit hatte Elfriede Bannas ein weit gestricktes Netzwerk aufgebaut, das von ihr mit großem persönlichen Einsatz gepflegt wurde. „Elfriede Bannas leistet mit ihrem Engagement Erinnerungsarbeit und ein Stück Gerechtigkeit“, hieß es wörtlich in der Begründung für ihre Auszeichnung. Mit ihrem Wirken mahne und fordere sie zur Wachsamkeit auf, zu moralischem Mut und zu demokratischer Kraft. „Die von Elfriede Bannas geleitete Initiative kann als einmalig in der bundesdeutschen Kulturgeschichte bezeichnet werden. Überdies berge sie eine neue Qualität der Aufarbeitung der Vergangenheit, lange bevor das Thema Raubgut 1999 in die bundesweit gemeinsame Erklärung der Bundesregierung und anderer Organisationen zur Auffindung und Rückgabe des jüdischen Kulturgutes mündete.“ Soweit die wörtliche Begründung für die Auszeichnung.

Hut ab vor der Lebensleistung dieser Persönlichkeit !!


Autor: Wieland von Hodenberg
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"In den Abgründen des Unrechts findest du immer die größte Sorgfalt für den Schein des Rechts."

Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827)