Wieland von Hodenberg ist seit dem Gründungsjahr 1983 im „Bremer Friedensforum“ aktiv. Als Zusammenschluss von damals über 100 Organisationen, Stadtteil- und berufsbezogenen Friedensinitiativen, Kirchengemeinden, Gewerkschaftsgliederungen und Parteien war das Bündnis „Bremer Friedensforum“ Kristallisationspunkt unzähliger Aktivitäten der Friedensbewegung in der Region und ist dies bis heute geblieben. Anlass war zunächst die Stationierung neuer atomarer Mittelstrecken in Europa, dann die geplante Aufrüstung im Weltraum und immer wieder auch die nahe Bremen gelegene US-Brigade “Hell on Wheels” („Hölle auf Rädern“), die damals eine riesige Panzertrasse quer durch ein zusammenhängendes Wald- und Naherholungsgebiet schlug und als „Speerspitze der Nato“ in Norddeutschland galt. Von Hodenberg ist Mitautor des 1987 vom „Friedensforum“ herausgegebenen Buches „Bremen – Friedenshauptstadt oder Rüstungszentrum?“ sowie einer Broschüre mehrerer Friedensinitiativen zum Thema Rüstungsbetriebe in Bremen. In den 1980er Jahren gehörte er zudem der „Deutschen Friedensunion“ an, schrieb zahlreiche Beiträge für deren vierteljährlich erschienene Publikation „Abrüstungsinfo“ und wechselte nach Auflösung der Organisation in die Bremer Gruppe der „Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsgegner(innen)“.
Im Juni 1994 wurde in der „Villa Ichon“, dem
Sitz des „Bremer Friedensforums“, das erste deutsche
„Konsulat“ der „Geistigen Republik Zitzer“ ins Leben
gerufen (siehe „Zivilcourage“ der DFG-VK, Nummer 4/94, Seiten 12
und 13). Kurze Zeit später folgten Hamburg und andere Städte. Konsul in Bremen
ist bis heute Wieland von Hodenberg. Das Ganze basiert auf einer witzigen Idee
findiger jugoslawischer Kriegsgegner. Zur Vorgeschichte: Während des Krieges in
Jugoslawien weigerten sich im Mai 1992 alle männlichen Einwohner der
2.000-Seelen-Gemeinde Tresnjevac (Oromhegyes) in der serbischen Vojvodina
nahe der ungarischen Grenze, an Kriegseinsätzen in Bosnien-Herzegowina
teilzunehmen. Statt zum Gewehr zu greifen, gründeten sie unter maßgeblicher
Mitwirkung der Frauen in der einzigen Dorfkneipe – einer Pizzeria
mit Billardtisch – die „Geistige Republik Zitzer“,
so benannt nach dem Besitzer der Kneipe. Zum „Präsidenten“ wurde
der vollbärtige Dorfschullehrer Lajos Balla auserkoren, der auf dem Höhepunkt
der Bremer Konsulatseröffnung dem Autor dieses Beitrags mit feierlicher Miene
seine „Ernennungsurkunde“ überreichte.
Die fiktive Republik verstand sich als „grenzübergreifendes Staatswesen ohne territoriale Ansprüche“ und als geistiges Band zwischen allen friedensbewegten Menschen weltweit, die auf Antrag sogar die „Staatsbürgerschaft“ annehmen konnten. 8.000 Menschen haben dies getan, und mehr als 500 „Pässe“ stellte allein die Bremer „Diplomatische Vertretung“ aus. Als dem Dorf wegen seiner konsequenten Verweigerungshaltung die Zerstörung drohte und einzelne „Regierungsmitglieder“ verfolgt wurden, solidarisierten sich „Friedensforum“ und „Konsulat“ sowie die Hochschule für Künste mit den Bedrängten, unter anderem mit einem Benefizkonzert in Bremen. Damals wurden auch Veranstaltungsrundreisen von jugoslawischen Friedensaktivist(inn)en durch die Bundesrepublik organisiert. Es gab Unterstützung für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure, und von Hodenberg setzte sich mit zahlreichen Appellen an den Bremer Senat für deren Aufnahme und Betreuung in der Hansestadt ein. Im Februar 1995 wurde der „Geistigen Republik Zitzer“ in Anwesenheit hoher „Regierungsmitglieder“ aus dem Friedensdorf und des Bremer „Konsuls“ der Friedenspreis des „Helmut-Michael-Vogel-Bildungswerks“ in Nürnberg verliehen. Ein Schwerpunkt war stets auch der Einsatz für die Menschenrechte und gegen die Abschiebung von Asylsuchenden. Die „Regierung“ in Tresnjevac gibt es inzwischen nicht mehr, aber der „Präsidentenpalast“ steht noch! Auch das Vermächtnis lebt weiter, und dem fühlt sich von Hodenberg heute stärker denn je verpflichtet. Das „Konsulatsschild“ mit dem „Staatswappen“, drei Billardkugeln und eine angedeutete kreisrunde Pizza in Anlehnung an den Geburtsort Zitzers, ziert noch heute den Eingang der „Villa Ichon“ am Goetheplatz 4.
Wieland von Hodenberg, der auch jahrelang Vorstandsmitglied der „Solidarischen Hilfe e.V.“ war, engagiert sich heute neben seinen Aktivitäten im „Friedensforum“ und der DFG-VK mit regelmäßigen sozial- und friedenspolitischen Redebeiträgen in der „Initiative Bremer Montagsdemo“ sowie in der Initiative „Bremer Bürgerinnen und Bürger gegen Obdachlosigkeit und die Diskriminierung der Betroffenen“.
Veröffentlichungen:
Wieland von Hodenberg, Juli 2008